Freies Fliegen

 

Den Berg hinauf, steinig der Pfad
Schleppt Sich ein jeder, Schmerzende Muskeln,
Schweiß auf der Stirn, Qualen aller Glieder,
Blind weiter stolpernd, dem Weg entlang,
Bis Muskeln reißen, doch Grenzen bereits überschritten.

Es endet der Pfad, ein Abgrund, so tief,
das jede Sicht auf den Grund verwehrt.
Wie oft schon ein jeder stand vor diesem Loch,
zu entscheiden, ob Qual durch einen Sprung endet.
Oder ob der Angst vorm Sprung die Qual des Wegs nicht enden soll.

Der Sprung nun folgt, der Fall die Kleidung im Winde bläht.
Das Gesicht verzerrt, der Boden naht.
Im letzten Moment der Verstand besiegt,
die einzige Rettung nicht zerschmettert zu werden,
eine Qual zerbrochener Glieder auf ewig.

Flügel sich entfalten, Federn den Sturz zum Gleiten wandeln,
und auch hier nur der Wille des Bodens Berührung noch stoppt.
Erst dann der freie Flug im ganzen möglich,
erst dann die Erinnerung zum Gewinn gewandelt,
erst dann die Wolken Dein Heim.

Wie oft einst jeder vor dem Abgrund steht, wie wenig als Engel
darauf den Himmel bewohnen.

 


Leiden der Erde

 

Nebelschwaden, vom nassen Lande
ziehend hin zu den brachen Weiden,
die meine Pfoten betraten,
trugen Trauer in das Land,
verschluckend der Toten Stille
die lagen auf dem kahlen Stücke.

 

Banner, einst stolz gehalten
zerrissen und tropfend Nass
nicht nur von des Nebels Wasser
hingen schlaff herab, schwer,
auf der Blut getränkten Erde,
gebrochen die einst hohen Lanzen.

 

Voll Trauer mein Weg mich führt,
hindurch den zerschlagenen Leibern,
die alle vergessen des Stolzes Grund.
Tiefe Stille statt mutiger Lieder,
heulende Geister über leeren Körpern,
meine Seele zum Weinen bringt.

 

Schlachten, geschlagen aus Liebe Willen
nur Trauer ihnen folgt, nicht Freude.
Ach Menschen, welch Glück Euch gegeben
zu Lieben, zu Lernen, missbrauchen ihr tut
denn Tränen vieler Menschen fließen oft
wenn des einen Glück nicht wird erreicht.

 

So trauert um Euch der Wolf,
gibt Erlösen den verlorenen Seelen,
nimmt auf das Leid der Erde
um zu bereiten der Boden Früchte
zu erblühen wenn der Frühling naht.
Speere und Knochen der Blumen Rank.


Erhobenen Hauptes führt mein Weg
hinunter von diesem Stückchen Land,
einst schwarz mein Fell, grau ist es nun,
zurückkehren werde ich bald, zu sehen
der Blumen Pracht, der Rose Blüte.
Hinaus in die Welt, wie mein Herz befiehlt.

 


Letzter Kampf

Trauer,
Ruhe,
Stille,
Verlust.

Die Sonne steht hoch über dem Feld,
Leiber Gefallener liegen, wie sie gestürzt.
Zerschmettert sind ihre Seelen dahin,
haben Freiheit erhalten, nun ohne Schmerzen.

Die Waffen der Gefallenen stecken
in blutgetränkter Erde, Mahnmale,
verrotten sie doch nicht so schnell
wie der, den sie trafen und erstachen.

Am Rande des Feldes sitzend,
betrachtete ich die Szenerie, verfolgte
wie die Raben sich gütlich taten,
sich grausig den Magen füllten.

Kreischend und zankend setzten sie fort,
was der Menschen Werk war zuvor.
Stritten sich ums Fressen
und zu vergolden Ihre Nester.

Und auf dem Feld am Rande
trieben der Menschen Herrscher
Händel ob des Grundes für den Kampf
ungedankt Eurer Leben.

Du, der Du hier liegst,
nur Raben Dir danken im Bauch,
Menschen Deiner vergessen,
wisse, ich erinnere mich an Dich.


Zu schlafen bereit

 

Endlose Nacht bisher beherrschte den Himmel,
kaum noch Erinnerung an die Zeit davor.
Endlos trugen mich meine Pfoten auf diesem Weg
fast überraschend stieg am Horizont Licht empor.

Doch dunkel noch die Umgebung, gefährlich und drohend
messerscharfe Kanten, glänzendes Obsidian blitzend
aufgewühlte Erde, zerbrochene Felsen, versengt
von Feuer und Gewalten vergangener Kriege.

Hatte versucht mich nicht zu schneiden,
meinte, das Vorsicht und ein scharfer Blick
sowie die Hoffnung aufs Ende der Nacht
genug der Wachsamkeit sein.

Doch Blut tropfte von meinen Pfoten,
Narben den Narben hinzugefügt,
weit bevor das Licht mich erreichte.

Stolpere weiter, noch keine Zeit zu rasten.
Erst wenn weiches Moos meine Pfoten beruhigt,
erst Licht mein Fell wieder wärmt,
zu schlafen ich bereit.