Der Mann fühlte mit jeder Faser seines Körpers, wie sich eine Hand zum Türgriff bewegte, diese mit unglaublicher Langsamkeit niederdrückte, als sei die Handlung in Zeitlupe vollführt worden, und dann die Tür aufstieß. In seinen Gedanken trug diese Hand weiße Handschuhe, doch waren es keine Handschuhe, wie man sie zum Beispiel zu einem Frack oder bei einem Diener erwarten würde, sondern schienen sie ihm zu einem Kostüm zu gehören.
Als wäre sie nie an ihren Türangeln befestigt gewesen, löste sich die Tür aus dem Rahmen, fiel mit einem Zeitlupentempo in das Zimmer, um sanft wie eine Feder auf dem Boden ohne jedes Geräusch aufzutreffen. Licht von der Helligkeit einer Sonne schoss durch den Türrahmen herein, hinterließ lange Schatten auf dem Boden, wenn etwas im Strahlengang lag. Es füllte den Raum bis in die letzten kleinen Ecken, als wäre es kein Problem um genau diese herumzustreichen.
Mit starren Augen, nicht fähig seinen Blick wieder von dieser Helligkeit abzuwenden, sah der Mann einen Schatten in das Licht treten. Jede Unebenheit dieser Gestalt brannte sich regelrecht in die Netzhaut des Mannes ein, und seine Angst, vorher nur durch ein undeutliches Gefühl begründet, wurde gleich einer Brandungswelle, die auf seine Sinne einen Sturmlauf unternahm.
Die im Licht nur als Umriss sichtbare Gestalt schien ein Kostüm zu tragen, Handschuhe, Stulpenstiefel und ein lustig wippender Hut mit Schellen besetzt, rundeten die Aufmachung, zu der auch ein enganliegender Anzug gehörte, ab: ein !
Ein Strahlenkranz ging von dieser Gestalt aus, sie schien von sich heraus aus zu strahlen. Eine Hand hob sich, zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Mann, während dieser inzwischen, unter seiner Angst zusammengesunken, auf dem Boden vor dem Stuhl hockte.
, donnerte die Stimme. Leicht verdutzt hob der Mann sein, reumütig dem Staub des Boden zugewandtes, Gesicht und sah zu dem Harlekin empor.
Der Harlekin trat mit einer fließend wirkenden Bewegung aus dem Türrahmen in das Rauminnere. Mit einem erstickten Aufschrei kroch der Mann, als Auto gedemütigt und am Boden zerschmettert von den Worten, dicht über den Boden gebeugt, auf die Tür zu. Dabei achtete er immer darauf, möglichst großen Abstand zu der drohend aufragenden Gestalt zu halten.
Seine vor Schrecken weit geöffneten Augen waren noch immer auf das Antlitz gerichtet. So kroch er nun, von der trügerischen Hoffnung getragen, zu entkommen, schneller auf die Türöffnung zu. Kurz vorher stoppte er, drehte sich um, um dann, etwas mutiger geworden, sich langsam am Rahmen hochzuziehen. Sogar ein kurzer Anflug von Stolz schlich sich wieder in seine Haltung, um dann allerdings unter Blicken vollends zusammenzubrechen.
Gebannt von diesen hypnotischen Blicken, die denen einer Schlange ähnelten, wenn diese ihr Opfer stellt, versuchte er rückwärts mit einem Fuß die oberste Treppenstufe zu ertasten. Doch es war nichts dort, das er hätte ertasten können, die Treppe, und damit seine Rettung, war zu einer Illusion geworden.
Der Mann verlor sein Gleichgewicht und fiel mit einem Gesichtsausdruck, in dem gleichermaßen Angst und Unglauben vermischt waren, vom Absatz. Die dunkle Nacht, die sich hinter dem Rahmen verbarg und nur von einer Batterie großdimensionaler Scheinwerfer erhellt wurde, sah tief und besitzergreifend aus.
Sein Körper rotierte langsam um die eigene Achse während er fiel, und so konnte er, nach einer halben Ewigkeit, eine zeitlang den Harlekin in die Türöffnung treten, und wie zum Gruße, die Hand heben sehen. Dann verschwand sein Körper in der Dunkelheit, dessen Schwarz alle Farben aufsaugte.
Der Harlekin sah ihm nach, auch lange nachdem der Körper verschwunden war, blieb er stehen; dann bewegte sich seine Hand zum Lichtschalter, schaltete das Licht aus. Mit einem Zischen verblassten die großen Scheinwerfer, und noch bevor ihr letztes Glühen erlosch, drehte sich der kostümierte Körper um, schloss die Tür hinter sich, um die Dunkelheit sich selber zu überlassen.
Mit langsamen, scheinbar schleichenden, da sich die Füße kaum vom Boden hoben, Schritten, trat der Harlekin zum Schreibtisch, betrachtete kopfschüttelnd die Billigkeit der Ausstattung. Versuchsweise schlug er einige der Schreibmaschinentasten an und schon der dritte Buchstabe verhakte sich, nur mit Gewalt hätte man ihn wieder lösen können. Das Efeu, das direkt am Rande des Tisches in der Sonne stand, setzte sich mit seinen Ranken in Bewegung, klammerte sich mit seinen hölzernen Fingern an das Höhenverstellrad des Stuhles und fing an zu drehen. Sobald sich dieser in einer für den Harlekin angenehmen Höhe befand, welches dieser durch mehrfaches Probesitzen bestimmte, dankte er dem Efeu mit etwas Wasser für die durch die Hitze stark strapazierten Wurzeln.








